Hier stinkt’s nach alten Büchern 😬👴📖

Comic Shop Zürich

Hier stinkt’s nach alten Büchern 😬👴📖

Hier stinkt’s nach alten Büchern

Wörtliches Zitat eines Kindes, beiläufig seiner Mutter zurufend, nachdem er unser Ladenlokal verlassen hatte. Ich konnte nicht anders, ich verzog das Gesicht zu einem breiten Grinsen. Kinder sind ehrliche Geschöpfe und sagen direkt heraus, was sie denken.

Papier ist geduldig – und stinkt

Aber stimmt die Behauptung? Stinkt’s hier wirklich «nach alten Büchern»? Vielleicht muss man es etwas relativieren. Klar, wenn man in eine Bäckerei geht, duftet es angenehm nach frischen Brötchen und allerlei anderem Backkram. Geanuso riecht es in einer Buchhandlung auch irgendwie nach – Papier. Für diese Schlussfolgerung muss man kein Raketenwissenschaftler sein.

Aber kehren wir zur Aussage unseres kleinen Kunden zu Beginn zurück: «Hier stinkt’s nach alten Büchern.» Was er meinte, ist der Geruch von altem, holzhaltigen – billigen! – Zeitungspapier. Mehrere Jahrzehnte alte Druckerzeugnisse, allen voran die Comics, wurden auf das billigste Papier gedruckt, um die Herstellungskosten zu senken. Und dieses Papier hat kombiniert mit den Druckfarben einen charakteristischen Geruch, der gewöhnungsbedürftig ist.

Ich habe irgendwo gelesen, dass der Geruchsinn des Menschen am intensivsten mit den Erinnerungen gekoppelt ist. Wenn man also als Kind einen bestimmten Geruch mit einem geliebten Spielzeug (Leute meiner Generation seien an die alten Spielzeugsoldaten der Marke TIMPO erinnert) verbindet, wird uns dieser Geruch noch viele Jahre später sofort an eben dieses Spielzeug erinnern. Und mit dem Papier verhält es sich genauso.

Aber Achtung – ich spreche hier nicht von dem typischen modrigen Kellergeruch, den falsch gelagerte Comics nur allzu gerne annehmen. Diesen Geruch kennen Comicsammler nur zu gut, lieben ihn aber ganz und gar nicht, weist er doch auf eine meist irreversible Kontamination der geliebten Bildheftchen hin. Nein, hier geht es um den ganz normalen Papiergeruch bestimmter antiquarischer Comichefte.

Die Nase des Sammlers

Ihr werdet vielleicht den Kopf schüteln, aber ich traue mir zu, bestimmte Comics nach ihrem Geruch bestimmten Verlagen zuzuordnen. Das hat natürlich damit zu tun, dass ich fünf Jahrzehnte lang meine Lungen mit den unterschiedlichsten Heftchen verseucht und bereits sehr früh die Unterschiede erkannt habe. Ein Superman von Ehapa riecht auf dem dünnen Glanzpapier nun mal ganz anders als eine Spinne von Williams auf dem rauhen Zeitungspapier.

Aber worauf will ich hier überhaupt hinaus? Eigentlich auf nichts. Ich hatte einfach das Bedürfnis, diesen ominösen Satz «Hier stinkt’s nach alten Büchern» mit Euch zu teilen. Er ist einfach zu gut, beinhaltet so viel Wahres und wurde von mir mehr als Kompliment denn als Beleidigung aufgefasst. Und er lässt sich im übertragenen Sinn auf alles andere auch anwenden.

Mein Sohn sammelt Trading Cards und hat schon sehr oft auf die nostalgische Wirkung des Geruchs frisch geöffneter Kartenpackungen hingewiesen, die ihn stark an seine Kindheit erinnern. Und vor kurzem machte mich ein Kunde darauf aufmerksam, ich solle doch bitte die Produkte, die er bei uns im Online Shop kauft, nicht in altes Zeitungspapier einwickeln. Er befürchtete nämlich, der Geruch der Zeitungen würde seine Sammelkarten kontaminieren …

Habt Ihr als Sammler auch schon solche geruchstorientierte Kindheitserinnerungen gehabt?

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