Retrospektion ist keine Gegenwartsflucht 😁😏

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Retrospektion ist keine Gegenwartsflucht 😁😏

Retrospektion ist keine Gegenwartsflucht

Ziemlich schwülstiger Titel, oder nicht? Ist aber simpler gemeint als es klingt. Ich besinne mich oft auf die alten Zeiten und schreibe über die Siebzigerjahre, in denen ich als Teenager meine Comicsammlerabenteuer bestand. Das könnte man natürlich als Flucht in die Vergangenheit interpretieren, als Nichtakzeptanz der Gegenwart.

Back to the Past

So ist es nicht. Selbstverständlich ist immer eine gehörige Portion Nostalgie bei solchen Blogbeiträgen dabei und eine melancholisch verklärte Sicht der Ereignisse. Das ist aber auch gut so und vollkommen normal. Unser Gehirn arbeitet nun mal auf diese Art. Erinnerungen werden nicht eins-zu-eins abgespeichert, sondern nur bestimmte Schlüsseldaten werden abgelegt. Jedes Mal, wenn wir eine Erinnerung aus unserem Gehirnarchiv hervorholen, wird das betreffende Ereignis basierend auf diesen Schlüsseldaten neu konstruiert. Darum erinnern wir uns nicht immer genau gleich an gewisse Dinge.

Ich bin jemand, der fest davon überzeugt ist, dass die Vergangenheit immer ein wesentlicher Bestandteil dessen ist, was uns in der Gegenwart – die ja immer nur aus einem winzig kleinen Bruchteil eines Ausgenblicks besteht – verankert und definiert. Die Vergangenheit formt uns, da sie aus einer fast unendlichen Anzahl dieser kitzekleinen Augenblicke besteht, die wir jeweils für einen Moment „Gegenwart“ nennen, bevor sie zur Vergangenheit werden.

Beliebte Rückblende

Das ist einer der Gründe, warum ich immer schon an Geschichte in jeder Form interessiert war. Deshalb habe ich an der Uni Zürich Paläontologie – die Wissenschaft von den ausgestorbenen Lebewesen – studiert. Deshalb befasse ich mich auch heute noch mit Dingen, die bereits vergangen sind. Um die Gegenwart zu verstehen, muss man die Vergangenheit kennen. Wenn man die Vergangenheit kennt, versteht man die Gegenwart und kann gezielt in die Zukunft schauen.

Und darum handeln viele meiner Blogbeiträge um Vergangenes, um Dinge, die ich erlebt habe, die bereits hinter mir liegen. Bei aller nostalgischen Verklärung bleibt immer ein Körnchen als Quintessenz übrig und zeigt eine andere Welt auf. Eine Welt, die aber nicht besser war als die von heute. Das ist zu abgedroschen. Die „Alten Zeiten“ waren nicht besser als das Heute. Aber sie waren anders. Und wenn ich klar sehe und verstehe, was anders war, dann kann ich das Heute auch klarer sehen und zielgerichtet in die Zukunft schauen.

So, genug philosophiert für heute. Als Schlusswort nur noch eines: Ich kann mit meinem Sohn Thomas optimal zusammenarbeiten, weil wir uns ergänzen. Das geht vor allem deshalb, weil uns 36 Jahre – also mehr als eine Generation – trennen. Dadurch sehen wir die Welt mit unterschiedlichen Augen und gehen Projekte aus unterschiedlichen Perspektiven an. Das funktioniert, weil ich meine Vergangenheit bestens kenne und er aus seiner Sicht ganz anders verankert ist im Heute als ich.

Wenn ich an meinen Vater zurückdenke, war meine Zusammenarbeit mit ihm ähnlich wie die mit meinem Sohn. Mein Vater stammte noch aus der Vor-Computergeneration und ging Alltagssituationen und Projekte dementsprechend absolut „analog“ an.

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