Wieviel fiktiven Realismus vertragen Superheldencomics? 😐🦸‍

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Wieviel fiktiven Realismus vertragen Superheldencomics? 😐🦸‍

Wieviel fiktiven Realismus vertragen Superheldencomics

Gute Frage, auch wenn nicht auf den ersten Blick klar ist, was ich damit meine. Um die Entwicklung der Superheldencomics besser zu verstehen, muss man einige Jahrzehnte zurückblicken, als die Welt der bunten maskierten Helden noch zweidimensional war.

Das waren noch Zeiten …

Damals gab es eine klare Trennung von gut und böse – na ja, zumindest in den meisten Fällen – und wir waren uns bewusst, dass alles in einer fiktiven Fantasiewelt geschah. Spider-Man gab es nicht wirklich. Auch die Avengers nicht. Das war mir schon als Kind bewusst, was mich aber nicht daran hinderte, diese Comics mit grosser Begeisterung zu lesen und in diese Fantasiewelten einzutauchen.

Suspension of Disbelief hiess die magische Regel, und obwohl ich den Begriff damals noch nicht kannte, wandte ich ihn instiktiv an. Für die Zeit der Lektüre vergass ich die Gesetze der Physik und hängte meinen Sinn für Realismus an den Nagel. Ich las Comics nicht, um realitätsnahe Geschichten zu lesen.

Das höchste aller Gefühle, was Realismus bei Spider-Man angelangte, waren Peter Parkers Alltagsprobleme, die Tatsache, dass er im Gegensatz zu DC Superhelden in einer echten Stadt – New York – lebte und der tragische Tod Gwen Stacys, der wohl das Ende der Unschuld der Superheldencomics bedeutete. Ja, ich bin überzeugt davon, dass das der entscheidende Wendepunkt war.

Hyperreal ist das neue Real

Von da an war nichts mehr wie früher. Immer mehr Realismus musste her, um die Comicgeschichten in unserer Wirklichkeit zu verwurzeln und uns zu suggerieren, dass all das möglich sein könnte. Das gipfelte dann in Geschichten wie Frank Millers The Dark Knight Returns 1986, wo er den Mythos des unbesiegbaren Batman demontierte und ihn zum realitätsnahen, desillusionierten und lebensmüden alten Kämpfer degradierte.

Der surreale Wirklichkeitswahn der Superheldencomics wurde in den folgenden Jahren bis zum Geht-nicht-Mehr ausgelotet und gipfelte schliesslich im grossen Blockbusterwahn, der bis heute nicht verebbt ist. Nicht nur die Kostüme ikonischer Helden wurden umgestaltet, um unserer Wirklichkeit zu entsprechen und praktischen Ansprüchen zu genügen, sondern auch so manche Superkräfte wurden durch technische und pseudowissenschaftliche Handstände erklärt.

Copyright DC

Zurück zu den Wurzeln?

Aber ist das wirklich notwendig? Am besten wurden meiner Meinung nach Superhelden, wie ich sie aus Comics längst vergangener Jahrzehnten kenne, in der Verfilmung der Watchmen (2009) dargestellt. Schaut Euch die wenigen Rückblenden an, in denen die Minutemen der 1940er Jahre zu sehen sind. Das ist wie kinogewordenes Superheldencomic – eins zu eins.

Da ist kein Hyperrealismus und keine Realitätsbezogenheit. Da sind bloss einige erwachsene Menschen, die mit kindlich unschuldiger Freude in lächerlich wirkenden Kostümen herumalbern und doch auf sonderbare Weise realistisch wirken. Das hat mich an die ersten Avengers Comics erinnert, die genau diese unschuldige Naivität ausstrahlten, eine Art jugendliche Pfadfindermentalität.

Natürlich gibt es keinen Weg zurück. Die Superheldencomics haben sich nun einmal in Richtung einer hyperrealen und übertriebenen Fantasiewirklichkeit entwickelt, und jeder kennt sie heute so, vor allem aus den Filmen.

Die Fantasiewelten der Superhelden waren gestern. Pseudowirkliche Realität in superscharfen Düsterfarben ist heute. Die Alten Götter sind tot – lang leben die Neuen Götter!

Heute gibt es Actionfiguren. Hättet Ihr gedacht, dass ich 1974 für meine Big Jim Figur Superheldenkostüme aus farbigem Filz genäht habe?!

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